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Zweite Edition des FBZ-Medienpreises für freischaffende Journalistinnen und Journalisten

Der Medienpreis für freischaffende Journalistinnen und Journalisten, der Preis für unabhängigen Journalismus, wird alle zwei Jahre verliehen. Das nächste Mal im Herbst 2010. Alle freischaffenden Autorinnen und Autoren sind eingeladen, ihre Print-Arbeiten (Text, Fotografie), Radio- oder Fernseh-/Video-Beiträge zu prüfen und ihre beste journalistische Arbeit in der Zeitspanne von 26. August 2008 bis 30. Juni 2010 zur Seite zu legen und frühzeitig einzureichen. Der Preis für unabhängigen Journalismus wird vom Verein Freier BerufsjournalistInnen Zürich (FBZ), einer Organisation von Impressum, veranstaltet.

Nur für Freischaffende. Der FBZ-Medienpreis wird ausschliesslich für Arbeiten aus freier Mitarbeit verliehen. Der Preis wird verliehen in zwei Kategorien: Die Kategorie der bereits veröffentlichten Arbeiten in Print, Radio, TV oder Online sowie die Kategorie unveröffentlichter Arbeiten und neuen journalistischen (Misch-) Formen aus Text, Fotografie, Radio, TV-, Video und Online-Journalismus.

Zudem wird ein Fortbildungspreis (MAZ-Kurs) und ein Stilpreis an Redaktionen oder RedaktorInnen verliehen, welche freie JournalistInnen nominieren können. Die Jury setzt sich entsprechend des Formenspektrums des Preises aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten aus Print, Radio, Fernsehen und Online zusammen, die in der Schweiz und international arbeiten. Letzteres, um den kritischen Blick von aussen auf die Medienlandschaft Schweiz zu stärken. Am Tag des Einsendeschlusses, dem 30. Juni 2010, wird die Zusammensetzung der Jury der zweiten Edition sowie die neue Jury-Ehrenpräsidentin der Ausgabe 2010 bekannt gegeben.

Das Preisgeld beträgt CHF 3000.-- und CHF 2000.-- je Kategorie. Für die nominierten Arbeiten wird zudem ein Honorar von CHF 250.-- für die Online-Publikaition bezahlt. Die Gründerinnen des Preises, Anita Hugi und Ingrid Isermann, freuen sich auf eine spannende zweite Edition des Medienpreises für freischaffende Journalistinnen und Journalisten. Der FBZ-Medienpreis ist der einzige Preis ausschliesslich für freischaffende Journalistinnen und Journalisten im deutschsprachigen Raum.
Der Preis für freie Journalistinnen und Journalisten wurde im November 2008 erstmals verliehen. Die zwölf nominierten Arbeiten der Ausgabe 2008 sowie die drei Siegerarbeiten sind auf der Website des Preises, www.rares.at, weiterhin zugänglich. Ebenso die Biographien der SigerInnen und Nominierten. Die Initiantinnen freuten sich über das ausgeprägte Interesse der freien JournalistInnen wie der Medien, die über den Preis schrieben. Die in der Kategorie der unveröffentlichten Arbeiten ausgezeichnete literarische Reisereportage wurde in der Folge in der NZZ ganzseitig publiziert.
Alle journalistischen Berufsverbände in der Schweiz und im deutschsprachigen Raum, Verlage und Medienausbildungsstätten sind wiederum herzlich eingeladen, sich am einzigen Preis ausschliesslich für freie Autorinnen und Journalisten finanziell oder ideell zu beteiligen. Freischaffende Autorinnen und Journalisten sind für eine vielfältige und nachhaltige Informationsleistung unabkömmlich. Mit dem FBZ-Medienpreis würdigen und honorieren wir unabhängige Arbeiten von Freischaffenden und setzen uns für mehr Sichtbarkeit der freien Berufsform des Journalismus ein.

Die zweite Edition wird u.a. vom Präsidialdepartement der Stadt Zürich, der SAL Zürich unterstützt. Für Fragen stehen die Veranstalterinnen des Preises, Anita Hugi und Ingrid Isermann, oder die Geschäftsführerin der FBZ, Claudia Carl, gerne zur Verfügung. Weitere Informationen zum Verein der freien Berufsjournalisten Zürich finden sich auf der Website der FBZ, www.journalists.ch, hier können Sie das Anmeldeformular zur Teilnahme downloaden.

 
Kulturmagazin Du: 200 Jahre Mexiko

Leben! Sterben! 200 Jahre Mexiko

2010 feiert Mexiko 200 Jahre Unabhängigkeit und 100 Jahre Revolution. Mexico City ist eine der Mega-Metropolen der Welt. Im entfesselten mexikanischen Drogenkrieg sterben jeden Tag Dealer, Polizisten, Staatsanwälte und Journalisten, während die Bosse Milliarden verdienen. Teotihuacán, die Hauptstadt der Götter, ist auch Thema der gegenwärtigen Ausstellung im Museum Rietberg. Graciela Iturbide ist die populärste Fotografin Lateinamerikas und glühende politische Aktivistin. Die Literaturnobel-preisträgerin Toni Morrison, blickt im jüngsten Roman zurück auf die Anfänge der Sklaverei. Der Begriff der Freiheit hat nach Morrison eine neue Bedeutung bekommen, seit niemand mehr Leibeigener ist.

Das März-Kulturmagazin Du präsentiert folgende Themen:

Grundlose Feier?

In diesem Jahr jubiliert Mexiko gleich doppelt: zweihundert Jahre Unabhängigkeit und hundert Jahre Revolution. Angesichts der chronischen Probleme des Landes sehen viele keinen Anlass für Festlichkeiten. Im entfesselten mexikanischen Drogenkrieg sterben jeden Tag Dealer, Polizisten, Staatsanwälte und Journalisten, während die Bosse Milliarden verdienen. Parallel zu dem Gemetzel ist eine Narco-Kultur entstanden, mit protziger Architektur und staatsschmähenden Heldenliedern. Wunderbar brutal. Gewalt und soziale Missstände – das ist der Stoff, aus dem derzeit in Mexiko Kunst gemacht wird. Aus dem Ausland gibt es dafür viel Applaus. Revolution in 35mm: Besonders spektakulär ist er nicht, der Alltag der Figuren in mexikanischen Filmen. Aber ausgesprochen magisch. Seit einigen Jahren verzaubern die überraschenden und sensiblen Werke aus dem Land die ganze Welt.

«Freiheit ist ein billiges Wort geworden»

Die Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ist die wichtigste Vertreterin der afroamerikanischen Literatur in den USA. In ihrem jüngsten Roman „Gnade“ blickt sie zurück auf die Anfänge der Sklaverei. Der Begriff der Freiheit, so Morrison im Du-Gespräch, hat eine neue Bedeutung bekommen, seit niemand mehr Leibeigener ist.

«Ich neige zum Morbiden». Daniele Muscionico porträtiert Graciela Iturbide, die populärste Fotografin Lateinamerikas. In Europa kennt man sie als künstlerische Poetin. Doch da ist auch noch die glühende politische Aktivistin.

Verführt, mit einem Schaudern. Beatriz Paredes ist Mexikos mächtigste Frau, weil sie das empfindsame Gegenstück zum landestypischen Machismo darstelle, wie sie sagt. Für ihren Erfolg nutzt sie durchaus scharfe Waffen.

Teotihuacán, Hauptstadt der Götter. Als die Azteken die verlassene Pyramidenstadt Teotihuacán fanden, sahen sie darin nicht weniger als den «Ort, an dem man zu Gott wird». Über die Erbauer und deren Lebensweise rätselt die Wissenschaft bis heute. Fest steht, dass sie nicht ganz so friedlich waren, wie es ihre Hochkultur erscheinen lässt. Die mexikanische Geschichtsschreibung erhebt die Azteken gern zu Nationalhelden. Ihre Nachfahren jedoch werden bis zum heutigen Tag diskriminiert.

Du-Kulturmagazin, www.du-magazin.com, abo@du-magazin.com. Jahresabo CHF 160, Einzelheft CHF 20. FBZ-Mitglieder erhalten ein Jahresabo Du exklusiv zum halben Preis für CHF 80 statt 160.

FBZ, 3. März 2010

 

 
Impressionen vom JournalistInnen-Treffen in der Brasserie Lipp
Moules et frites, Austern, Pasta und angeregter Gesprächsaustausch à discrétion am JournalistInnen-Treffen in der französischen Brasserie-Metropole in Zürich.  
Bilder: Niklaus Stauss

    

Claudia Carl stellte ihre Nachfolgerin, die neue Geschäftsführerin Silvia Gassmann vor:  ab 1. März 2010 lautet die Adresse der FBZ-Geschäftsstelle Löwenstrasse 1,8001 Zürich, fbz@journalists.ch.

Wir wünschen unserer neuen Geschäftsführerin einen guten Start und danken Claudia Carl für ihren bravourösen Einsatz.

FBZ, 1. März 2010

 

 

 

 

 
Computer-Backups organisieren im journalistischen Alltag
Mit Gaston Fasnacht (Computersupporter und Journalist) und Felix Weber (IT-Journalist) . Nach einer Präsentation folgt die Besprechung einer Liste von Präventationsmassnahmen und schliesslich ein Kolloquium zu Fällen aus der Praxis. Die Teilnehmenden sind aufgefordert, konkrete Fälle zum Erzählen "mitzunehmen".

Ort: Im Rosa Gutknecht-Zimmer der Helferei Grossmünster, Kirchgasse 13, Zürich.
Anmeldung: Sie ist erforderlich und verbindlich, da die Platzzahl beschränkt ist. Die Anmeldungen werden gemäss Eingangsdatum berücksichtigt.
Unkostenbeitrag:  Für FBZ- und SFJ-Mitglieder: CHF 20, für Nichtmitglieder CHF 30.
 
Junger Fotograf mit World Press Foto Award ausgezeichnet

Der «Oscar für Pressefotografen» geht dieses Jahr an den jungen Italiener Pietro Masturzo. Sein heimlich aufgenommenes Bild zeigt eine iranische Frau, die ihren Frust über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen über die Dächer Teherans herausschreit. Zu Hunderten erschallen solche Protestgesänge immer wieder nachts in der iranischen Metropole. Die Jury befand denn auch: «Das Foto zeigt den Anfang einer riesigen Geschichte». Der Autor Eduard Erne hat für «kulturplatz» den jungen italienischen Fotografen in Rom getroffen.

Der Link zum Fernsehbeitrag (benötigt etwas Geduld): http://videoportal.sf.tv/video?id=69cc3176-a79c-4d68-a8e6-4be3c8d3aee4

Wenn es nicht geht: www.kulturplatz.sf.tv

Weitere Links:
Externer Link www.worldpressphoto.org
Externer Link www.pietromasturzo.com
Externer Link www.mightierthan.com/rooftop

 
Freie Journalisten bekommen selten Journalistenpreise. Warum?

Der deutsche Journalistenverband für freischaffende JournalistInnen „Freischreiber“ stellt sich lebenswichtige Fragen, die auch für die Freien in der Schweiz gelten: Freischreiber zum Thema Journalistenpreise: „Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen? Es gewinnen fast immer nur Redakteure. Das nervt." Und weiter:

Wir Freischreiber haben deshalb zwölf mögliche Gründe für diesen Umstand zusammengestellt. Bitte sagen Sie uns, welche Begründung Ihrer Meinung nach am ehesten zutrifft. Sie können darüber abstimmen und/oder weitere Gründe in der Kommentarspalte nennen. Also:

Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise....

  • weil sie unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten als Redakteure.
  • weil sich die Redakteure die interessanten Themen herauspicken und den freien Journalisten den Rest überlassen.
  • weil sie mit Geschichten weniger verdienen und deshalb auch weniger Zeit für Recherche und Textarbeit aufwenden können.
  • weil große Themen und große Geschichten fast nie an freie Journalisten vergeben werden.
  • weil sie nicht von hauseigenen Abteilungen auf Einreichungsfristen für Journalistenpreise hingewiesen werden.
  • weil viele Chefredaktionen nur die Texte ihrer eigenen Leute einreichen.
  • weil sie in der Regel schlechter sind als festangestellte Journalisten.
  • weil es kaum noch verlags-unabhängige Jurys gibt.
  • weil freie Journalisten im Branchenklatsch nicht so präsent sind.
  • weil die großen Medienhäuser die von ihnen gestifteten Preise am liebsten unter sich aufteilen.
  • weil sich Chefredakteure mit Preisen für freie Journalisten nicht so schmücken können wie mit Preisen für eigene Redakteure.
  • weil der „Spiegel“, der viele Journalistenpreise abräumt, praktisch keine freien Journalisten beauftragt.

Ingrid Isermann, 9. Februar 2010 (Courtesy Freischreiber, 4 Februar 2010)

http://www.freischreiber.de/

 
Massive Kritik an der vorgeschlagenen Vergütungsregel zwischen Verlagen und Freischaffenden in Deutschland

Und spricht sich klar gegen eine von den Verhandlungspartnern vorgeschlagene Vergütungsregel aus, da die Ansätze von einer angemessenen Vergütung der Arbeit weitest entfernt seien.

Aufwand und Einkommen stehe in keinem Verhältnis - und diese Verhältnis, schlägt er vor, müsse sonst einmal gerichtlich geregelt werden. "Wie würde eigentlich ein Gericht bestimmen, was eine "angemessene Vergütung" ist? Es würde sich am sogenannten Beteiligungsgrundsatz orientieren. Dieser besagt, dass der Urheber an jeder wirtschaftlichen Nutzung seines Werks nach Maßgabe der Intensität dieser Nutzung zu beteiligen ist. Wenn ein Text nicht nur in einer Zeitung abgedruckt, sondern zugleich im Internet und in verschiedenen anderen Blättern verwertet oder über Datenbanken und Archive an Endnutzer verkauft wird, muss das Honorar dafür höher sein als für die sogenannte einfache Nutzung." Die Stellungnahme des Journalisten ist auf der Website Perlentaucher.de nachzulesen.   http://www.perlentaucher.de/artikel/5925.html

Der Link zur Journalistenvereinigung Freischreiber, der ersten Vereinigung freier Journalisten in Deutschland, befindet sich auf dieser Website. Im FBZ-Jahrbuch im PDF ebenfalls auf dieser Seite ein Interview mit Kai Schächtele von Freischreiber.

 
Kulturmagazin Du: 60 Jahre Suhrkamp-Kultur der Aufklärung

Zum Jahresanfang 2010 beleuchtet ein phänomenales Du-Kulturmagazin die Verlagsgeschichte des Suhrkamp-Verlages, dessen 60-Jahr-Jubiläum für stete Gegenwartsdeutung und Aufklärung steht. Peter Suhrkamp, Gründer des Verlags, gilt als Entdecker von Max Frisch: erstmals werden Auszüge aus einem unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Suhrkamp und Frisch über die Gründerjahre publiziert. Seit dem Tod des Verlagspatriarchen Siegfried Unseld 2002 leitet die Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz den Suhrkamp-Verlag, der das Domizil im Januar von Frankfurt nach Berlin verlegt. Die umstrittene und auch in Medien heftig bekämpfte Ulla Unseld-Berkéwicz, geboren 1951, war zuvor Schauspielerin an bedeutenden deutschen Theatern, Übersetzerin von Shakespeare, Dramaturgin, Schriftstellerin wie auch erfolgreiche Theaterautorin und sieht ihre Rolle als Verlegerin darin, sich nicht auf Lorbeeren auszuruhen, sondern die Suhrkamp-Kultur auf neue Felder des produktiven Aufruhrs zu führen: darauf einen Champagner, Veuve Unseld-Berkéwicz!

Wenn Frauen die Macht ergreifen, dann twittern und zwitschern die Ewiggestrigen, kann die das…? Und an männliche Macht gewöhnte Autoren verkünden unter Fanfarenklängen den Auszug, so wie unter anderen Martin Walser und Adolf Muschg, die sich unter weiblicher Führung im Verlag Suhrkamp nicht mehr wohl fühlten. Im Gegenzug gab es einen Zuwachs an vielversprechenden neuen, jungen Autoren wie Uwe Tellkamp.

Suhrkamp Soap Opera in den Medien

Im Gespräch mit Julian Schütt offenbart Ulla Unseld-Berkéwicz Interna aus der Verlagshistorie, dem Machtkampf ums Verlagserbe gegen den mit dem Vater zerstrittenen Unseld-Sohn Joachim, über den Umzug nach Berlin und den Verkauf des Suhrkamp-Archivs an das Literaturinstitut Marbach. Auf die gängigen Fragen des Journalisten antwortet die standhafte, widerspenstige und blitzgescheite Ulla Unseld-Berkéwitz mit nachsichtiger Larmoyanz, gewöhnt an skeptische Infragestellungen. Mit Leidenschaft und Verve bekennt sie: „Wenn man recht hat, streitet es sich schöner“. Fragt sich, ob man einem Unseld dieselben Fragen gestellt hätte, aber nein, die Frage stellt sich nicht. Lesenswert!

 Die Interviews ergänzen eine Bildserie über die Suhrkamp-Saga, ferner ein Essay von Jürgen Habermas über die Kultur des Gegenwartssinns, ein Beitrag über den legendären Grafikdesigner Willy Fleckhaus, der das optische Bild des Suhrkamp-Verlages bis heute prägt. Wenn er an Suhrkamp denkt, fällt dem gefeierten amerikanischen Autoren und Anwalt Louis Begley vor allem der Verleger Siegfried Unseld ein. Begley war 57 Jahre alt, als 1991 sein Erstling „Lügen in Zeiten des Krieges“ bei Suhrkamp erschien. Im Interview mit Sascha Verna gibt Begley über seine Liebesgeschichte mit dem Suhrkamp-Verlag Auskunft: „Mit Siegfrieds Segen“.

Die Suhrkamp-Soap, eine kleine Chronique scandaleuse, verfasst vom Autoren Manfred Stahl, lässt genüsslich hinter die Kulissen blicken, während der Schweizer Autor Gion Mathias Cavelty von seinen Begegnungen mit Unseld berichtet, die ihm immer auch etwas unheimlich vorkamen: „Unseld las mein Buch der lachenden Ulla im Bett vor“.

 Egon Ammann war Diener eines spanischen Matadors, als ihn Siegfried Unseld ins Lektorat des Suhrkamp-Verlages holte. Danach gründete er seinen eigenen Verlag. Der Ammann-Verlag wird im Juni 2010 aufhören. Friederike Mayröcker brilliert mit einem Essay, Charlotte Gainsbourg hat soeben ihr zweites Album aufgenommen, Albert Kuhn hat sie interviewt. Und, und, und…

www.du-magazin.com, abo@du-magazin.com, Einzelheft CHF 20, Jahresabo CHF 160. Für Aktiv-JournalistInnen der FBZ neu: Jahresabonnement mit 50 Prozent Ermässigung, CHF 80.

FBZ, 6. Januar 2010 Ingrid Isermann

 
Aktion Journalistenverzeichnis: Gratis-Eintrag bis März 2010

Bis März bieten die FBZ den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Freischaffenden von Impressum Deutschschweiz (L. Coray) eine kostenlose Aufnahme ins Journalistenverzeichnis auf unserer Website www.journalists.ch an. 

Alle Freischaffenden der FBZ, die sich noch nicht im Journalistenverzeichnis eingetragen haben, sind herzlich eingeladen, an der Sonderaktion teilzunehmen, welche die FBZ für die Mitglieder der überregionalen Arbeitsgemeinschaft der Freischaffenden von Impressum anbietet. Die Anmeldungs und Informationen für die Anmeldung befinden sich hier.

Die Anzahl kostenloser Neu-Einträge ist limitiert. Das FBZ-Journalistenverzeichnis ist ein sehr rege benütztes Branchenbuch für Freischaffende. Wir erhalten immer wieder sehr positive Feedbacks, dass Kolleginnen und Kollegen über unsere Seite und das FBZ-JournalistInnen-Verzeichnis von Dritten Aufträge erhalten. 
FBZ, 22.12.2009 

 
"Die Bugwelle der Bardot" Fotografien von Niklaus Stauss in der Galerie Von Senger

Endlich einmal einen Einblick in das gigantische Foto-Archiv von Niklaus Stauss bietet sich von Freitag 12. Dezmeber 2008 bis Januar 2008, wie es der Newsletter der FBZ ankündigte. Der Zürcher Fotograf ist seit Jahrzehnten immer und überall da, wo Kultur sich verkörpert. Zu sehen sind Porträts von unzähligen Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, so etwa ein genial gutes Bild des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan. Aber aber auch ganz normale Prominente mehr oder Sportler wie der legendäre Fribourger Rennfahrer Jo Siffert hat Niklaus Stauss, langjähriges Mitglied der FBZ, für die Ewigkeit und einen bilderreichen Galerienbesuch festgehalten. Die freie Journalistin Nina Scheu hat am 11. Dezember 2008 ein schönes Porträt über den Zürcher Fotografen im Tages-Anzeiger publiziert. Link zum Porträt zu Niklaus Stauss http://www.nicolavonsenger.com/pressespiegel/Stauss/tagi20081211_stauss.pdf

FBZ, 11. Dezember 2008, ah.

 
Die Gewinner des ersten Medienpreises für freie JournalistInnen sind Angelika Overath, David Bauer und Dominik Gross

Die ausgezeichneten Artikel der drei Gewinner sowie alle weiteren nominierten Arbeiten sind auf der Website zur Preisverleihung WWW.RARES.AT publiziert. 

Der erste Preis für freischaffende JournalistInnen wurde im Rahmen eines festiven Anlasses im Kino Riff Raff in Zürich am Sonntag 2. November erstmals verliehen. In der Kategorie der unveröffentlichten Arbeiten wurden Angelika Overath, Sent, und David Bauer, Basel, gemeinsam mit dem ersten Preis ausgezeichnet. In der Kategorie der bereits veröffentlichten Arbeiten gewann Dominik Gross mit dem Artikel "Hinter den Bergen". Die ausgezeichneten Artikel der drei Gewinner sowie alle weiteren nominierten Arbeiten sind auf der Website zur Preisverleihung im Internet publiziert.

Ebenfalls auf der Website WWW.RARES.AT  sind die Laudationes für die drei Gewinner, die Kurzbiographien aller nominierten freien JournalistInnen sowie auch die GewinnerInnen des Stilpreises inklusive Nominationsbegründungen online geschaltet. Der Stilpreis zeichnet festangestellte Redaktoren für die stilvolle Zusammenarbeit mit den Freischaffenden aus. Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ, hielt eine Rede zum Thema freier Journalismus. Anschliessend an die Preisverleihung fand ein Apéro mit DJane statt. Das Preisgeld beträgt CHF 3000 respektive CHF 2000 in den beiden Kategorien; die nominierten Arbeiten wurden für die Online-Publikation mit je CHF 250 vergütet. Nebst den Laudationes durch Jörg Bundschuh, freier Filmer und Filmproduzent, Ingrid Isermann, Kulturjournalistin, und Anita Hugi, Redaktorin der Sternstunden des Schweizer Fernsehens,  wurden zu den drei Gewinnern Video-Interviews gezeigt: Was bedeutet ihnen der ausgezeichnete Text? Was war ihr allererster Text überhaupt? Wie verhält es sich mit der Wahrheit im Journalismus?

 

 

 

Oben links: David Bauer, Basel und Dominik Gross, Zürich; Oben rechts: Die Jury, Unten rechts: DJane Anne Air sorgte für gute Vibes beim Apéro im Kino Riff Raff. Die Bilder aller PreisträgerInnen und alle nominierten Texte auf www.rares.at

Copyright Bilder: Niklaus Stauss

Forbildungspreis und Anerkeunngspreis für RedaktorInnen mit Stil

Der Stilpreis für die Redaktorinnen ist ein Sachpreis: eine Spezial-Edition von Moleskine mit Namensprägung und gestanztem Kugelschreiber-Fach. Es waren von den freischaffenden JournalistInnen, die am Preis teilnahmen, sieben festangestellte Kollegen für den Stilpreis nominiert worden.

Das Ziel des neuen Preises für Freischaffende,, den die FBZ im Juni 20098 lancierte, ist eine strukturelle Verbesserung der Situation der freischaffenden JournalistInnen und eine gute Honorierung der wertvollen Arbeit der freischaffenden Journalistinnen und Journalisten. Der Preis wurde von der FBZ im Patronat mit Impressum verliehen und von erlesenen Verlagshäusern und Unternehmen sowie dem Präsidialdepartement der Stadt Zürich unterstützt. Das Medienausbildungszentrum MAZ Luzern stiftete einen Fortbildungspreis, da die Freischaffenden für Fortbildung doppelt bezahlen: mit der investierten Arbeitszeit, die unbezahlt bleibt. Zudem müssen sie die Ausbildungskosten ungleich Festangestellten selber berappen.

Die FBZ und die Jury gratulieren den drei GewinnerInnen herzlich und bedanken sich bei allen freischaffenden JournalistInnen aus der Schweiz und von Übersee für das rege Mitmachen. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen werden. Allen Interessierten stehen die ausgezeichneten journalistischen Arbeiten bis auf Weiteres auf der Website der Preisverleihung (www.rares.at) zur Verfügung.

Die Preisverleihung machte auch den Schweizer Auftakt zum europäischen Aktionstag Stand up for Journalism, der am 5. November 2008 stattindet. Der JournalistInnenverband Impressum Schweiz fokussiert für den Aktionstag am Dienstag spezifisch die Urheberrechtsverletzungen gegenüber den Freischaffenden, so u.a. die ungebührliche Online-Zweitwertung von Artikeln durch Medienhäuser bzw. Medienkonzerne.

FBZ, 2. November 2008, 12.00 Uhr

 

 
Über den Dächern von Meersburg - Ein Blick zurück auf den FBZ-Jahresausflug am 22. August 2008
Bahnjournalist und FBZ-Mitglied Johannes Von Arx organisierte den diesjährigen Jahresauflug der FBZ. Es nahmen daran 26 Personen teil, und auch die Sonne war mit von der Partie. Impressionen. 
   
    
     
   
  
Fotos Ingrid Isermann und Johannes von Arx

Konstanz? Konstanz! Konstanz lag, bevor die Gotthard-Route eröffnet und die Waren fortan via Basel und Gotthard die Alpen passierten, jahrhundertelang an der europäischen Nord-Süd-Handelsroute. Und die dadurch feine Kleinstadt Konstanz war 1417 Ort jener richtungsweisenden Papstwahl, als gleichzeitig drei Päpste konkurrierten, und leer ausgingen. Im Konzilsgebäude mit seinen massiven Stützpfeilern aus auf den Kopf gestellten riesigen Baumstämmen wurde anno dazumal Papst Martin gewählt. Heute ist das Gebäude am Hafen ein exquisites Restaurant mit einer riesigen Terrasse, auf welche Chef der Konzil-Gaststätten und Koch Manfred Hölzl in Montur zu einem feinen Begrüssungschampagner und -cocktail mit freier Sicht auf den See einlud. Gastfreundschaft zählte in Konstanz schon zu päpstlichen Zeiten: während des Konzils beherbergte und verköstigte die kleine aber reiche Stadt über lange Zeit 30'000 Gäste!
 
Begrüsst vom Kapitän der Seefahrtsbetriebe, der Interessierten einen Besuch der Bregenzer Festspiele von Konstanz aus per Schiff und da am besten mit den Seekarten empfahl, nahmen wir quer über den See Kurs auf Meersburg: Über dem mittelalterlichen Bilderbuchstädtchen Meersburg thronen zwei Schlösser – wir durchstreiften das „alte Schloss“, in dessen Turmzimmer die früh emanzipierte und trotz daraus entstehender markanter Nachteile unverheiratete Annette von Droste-Hülshoff dichtete… „Ich steh auf hohem Balkone am Turm / Umstrichen vom
schreienden Stare/ Und lass gleich einer Mänade den Sturm / Mir wühlen
im flatternden Haare…“. In den Gemächern auf dem Schloss und über schmale Stiegen hoch in den Turm mit seiner weiten Aussicht über die Dächer von Meersburg liess sich die Vergangenheit spüren…
 
Unter Anleitung und im Rahmen eines spontanen Kreativinputs, welche die Werklehrerin Iris Zürcher anleitete, verdichteten die Reiseteilnehmer selbst spontan ihre Eindrücke und brachten die frischen Impressionen in Spontanzeilen live zu Papier. Danach wurde ebenso ungehemmt gemalt, was manche schon seit Jahrzehnten nicht mehr gewagt hatten. Iris Zürcher animierte auch zu Kohle-Zeichnungen der Bodensee-Ambiance und spontanen Porträts der Kolleginnen, die man ohne aufs Blatt zu schauen mit dünnem Kohlestift zeichnete. Ziel war es, Kreativitätstechniken spontan zu aktivieren – Kreativität einmal vor Perfektionismus zu stellen. Zürcher zitierte den begnadeten Jazzsaxophonisten Miles Davis: „Fürchte deine Fehler nicht, es gibt keine“.
FBZ, 23. August 2008
 
Wem gehört mein Artikel?

Die FBZ hat in den letzten Jahren immer wieder auf die Wichtigkeit der Wahrnehmung der Urheberrechte durch die freischaffenden JournalistInnen hingewiesen. Mit konkreten Informationen auf unserer Website, mit Meldungen (z.B. zur Info-Veranstaltung zu Axel Springer Schweiz). Und auch spielerisch, im GAV- und Sommerrätsel.

Grundsätzlich gilt: Der Artikel gehört im Rahmen des persönlichen Urheberrechts dem freischaffenden Autor und sie oder er veräussert ausschliesslich Nutzungsrechte. Dieses veräusserte Nutzungsrecht gilt - eigentlich - nur für die besprochene Publikation. Impressum empfiehlt den Freien, in einem kurzen E-Mail an den betreffenden Redaktoren, die betreffende Redaktorin festzuhalten, in welcher Publikation ein Artikel zu welchen vorgängig per E-Mail oder Telefon abgemachten finanziellen Konditionen veröffentlicht werden soll. Auch auf der Rechnung, so empfehlen die FBZ, soll der Verwendungszweck kurz erwähnt werden.

Das Urheberrecht am Artikel ist die USP, die "Unique Selling Proposition" der freischaffenden Autorinnen und Autoren. Zudem erzielen freischaffende JournalistInnen aus Mehrverwertungen in weiteren Publikationen bzw. Publikationsformen oft sehr notwendiges Einkommen. Eine Musterrechnung sowie Weiteres zur Urheberrechtsituation findet sich in der FBZ-Websiten-Rubrik "Wem gehört mein Artikel?". /content.asp?id=39

FBZ/ah, 1. Juli 2008

 
Salva Leutenegger: Impressums Aufbruch zu neuen Horizonten

 

 

Impressum hat eine neue Zentralsekretärin: Salva Leutenegger. Und ab 19. Mai 2008 ein Büro an der Soneggstrasse 26, 8006 Zürich. Und kann somit die Anliegen der Mitglieder noch besser wahrnehmen. Das Porträt zur neuen Zentralsekretärin von Ingrid Isermann, zuerst erschienen in der Verbandszeitung von Impressum, journalisten.ch

 Salva Leutenegger, Impressum-Zentralsekretärin in Zürich

Es sind nur paar Schritte zur Reithalle über die Brücke an die Gessnerallee, an dem frischen Februartag, aber ein Hauch von Frühling liegt schon in der Luft. Ein vielversprechender Neubeginn steht auch Salva Leutenegger bevor. An der Kasernenstrasse 15 in Zürich haben wir uns verabredet, wo Salva Leutenegger, die designierte Zentralsekretärin von impressum Zürich, noch als geschäftsführende Sekretärin für den Schweizer Musikverband (SMV) tätig ist. „Und wo ist das neue Büro“, frage ich sie. „Das ist noch nicht bestimmt, aber in Zürich ist es kein Problem, bis Mitte Mai Büroräume zu finden“, meint sie.

Wie mir Salva Leutenegger im Restaurant Reithalle gegenübersitzt, lässt ihr strahlendes Lächeln spüren, dass sie von ihrer neuen Aufgabe im Medienbereich fasziniert ist: Menschen kennenzulernen, zu kommunizieren, für den Berufsverband impressum in Zürich Kontakte zu Medienhäusern und Medienschaffenden zu knüpfen. Das liegt ihr und kommt ihrer offenen und optimistischen Art, auf Menschen zuzugehen, entgegen.

Aufgewachsen ist Salva ( geboren 1965) zusammen mit einer Schwester in Zug. Dorthin sind ihre Eltern aus Italien eingewandert, und in Zug besuchte sie auch die obligatorischen Schulen. Nach einem Handelsdiplom und ersten Berufserfahrungen arbeitete sie elf Jahre für das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM), die Gewerkschaft elektronischer Medien. Dort konnte sie in der Medienwelt – unter anderem in der Lokalradio- und Privatfernsehszene - vielfältige Erfahrungen sammeln. Nebenher investierte sie in ihre Weiterbildung in Management für Non-Profit-Organisationen und Projektmanagement.

Und plötzlich kam wohl nicht von ungefähr eine Anfrage von impressum-Geschäftsführer Matthey Fleury, ob sie sich vorstellen könne, Zentralsekretärin für impressum in Zürich zu werden, wo Selbständigkeit, Zuverlässigkeit, Eloquenz wie Flexibilität gefragt sind. Das liess sich die umtriebige, unternehmungslustige und weitgereiste Weltenbummlerin nicht zweimal sagen.

Expeditionen ins Unbekannte
Im Jahre 2002 packte Salva Leutenegger ihre Siebensachen und ging mit Mann und Hund auf abenteuerliche Expedition in Nord- und Südamerika. Damals brauchte sie einfach mal eine Auszeit, wollte etwas völlig Neues anfangen. Und lernte zuerst einmal richtig Spanisch. Vom Norden der USA quer bis zum südlichsten Punkt Südamerikas nach Ushuaia in Feuerland, in einem Ranger mit Schlafkojen, „kitchen & tools“, Land und Leuten mit anderen Lebensgewohnheiten zu begegnen, stellte so unerwartete wie aufregende Ansprüche. Diese zwei Reisejahre ihres Lebens, die ihr wertvolle Perspektiven eröffneten, möchte sie nicht missen. Schon früher hatte Salva Leutenegger Länder in Asien wie Tibet und Nepal bereist.

Das Reisen, nebst Theater, Literatur und Film, Kultur in weitestem Sinne, steht nach wie vor auf dem Programm. Und ist auch Inhalt des Buches „Das weisse Segel“, das sie gegenwärtig liest, wie ein zerstrittenes Ehepaar durch den Kauf eines Segelschiffes und eine gemeinsame Reise wieder einen Weg zueinander findet; sie zitiert eine Zeile aus dem Buch von Sergio Bambaren: „Wer seine Träume lebt, kann die Sehnsucht stillen“. Die Sehnsucht nach neuen Horizonten hat sie nie losgelassen.

In Uetikon am rechten Zürichseeufer mit reizvollem Blick auf den See ist sie jetzt verwurzelt, wo sie mit ihrem Partner lebt. Salva Leutenegger schätzt ein kreatives Arbeitsumfeld, wo die sympathische Mittvierzigerin ihr Talent, als Seismographin zu kommunizieren, anwenden kann. Der heisse Draht zum Zentralsekretariat in Fribourg gewährleistet eine reibungslose Administration und - gut zu wissen: Salva Leutenegger hat als kompetente Ansprechpartnerin für Medienschaffende ein offenes Ohr für alle Anliegen der impressum-Mitglieder.

Die neue Adresse:
Impressum Zürich
Sonneggstrasse 26
8006 Zürich
salva.leutenegger@impressum.ch
Mobile 079 631 99 50

Tel. 043 817 35 00

Zur Person
Salva Leutenegger, geboren am 30. August 1965 in Zug. Handelsdiplom. Weiterbildung in Management, Non-Profit-Organisationen, Projektmanagement. 1991-2002 Schweizer Syndiakt Medienschaffender (SSM). 2002-2004 USA/Südamerika-Reise. 2004-2008 Geschäftsführende Sekretärin für den Schweizerischen Musikverband (SMV). Ab 18. Mai 2008 Zentralsekretärin für impressum in Zürich.

(Erstpublikation journalisten.ch Nr. 1 / März 2008 IMPRESSUM)
Ingrid Isermann, 01.05.2008

 
20 Jahre PSI: Was hält die Welt im Innersten zusammen?

Um sich in die Geheimnisse der Spitzenforschung des grössten nationalen Forschungsinstitutes der Schweiz einweihen zu lassen, besuchte eine muntere Truppe von 20 interessierten freien Berufsjournalistinnen und -journalisten am 15. Mai 2008 das Paul Scherrer Institut (PSI) im aargauischen Villigen. Wie im Universum sind auch im Mikrokosmos der kleinsten Teile viele Fragen offen. Teilchenphysiker und Radiochemiker erkunden am PSI das Innere der Materie.

Das Paul Scherrer Institut ist ein multidisziplinäres Forschungszentrum für Naturwissenschaften und Technologie und betreibt Grundlagen- und angewandte Forschung in den Bereichen Mensch und Gesundheit, Mikro- und Nanowelten, Energie und Umwelt - den Teilchen und ihren Tücken. Immer mehr WissenschaftlerInnen aus schweizerischen und ausländischen Hochschulen zieht es nach Villigen. Mit etwa 1300 Mitarbeitenden ist das PSI das grösste nationale Forschungsinstitut und einzige seiner Art. Es gehört als autonome Institution zum ETH-Bereich.

Protonen und Therapiemoleküle gegen Tumore
Weltweit einmalig ist die hier entwickelte Protonentherapie zur Behandlung tief liegender Tumore. Winzige im Körper verteilte Tumore lassen sich mit der üblichen Röntgenstrahlen-Therapie nicht behandeln. Das PSI kombiniert dafür spezielle Biomoleküle, so genannte Antikörper, mit einem radioaktiven Atomkern zu Therapiemolekülen. Solche Präparate können Tumorzellen selektiv gezielt finden und zerstören. Ende 1996 wurde diese erste neuartige Protonentherapie-Anlage Europas in Betrieb genommen. Die Spot-Scanning-Technik mit der kompakten, drehbaren Strahlführung, der Gantry, eröffnet der Protonentherapie neue Behandlungsmöglichkeiten und bietet nachhaltige Heilungschancen. Am PSI werden auch Augentumore erfolgreich mit Protonenstrahlungen behandelt. 

Das Benutzerlabor - Magnet für die internationale Forschungselite
Das PSI als Benutzerlabor ist ein attraktiver Treffpunkt der Forschungselite für 1500 WissenschaftlerInnen aus 50 Nationen, die die komplexen Anlagen des PSI für Experimente nutzen und die kompetente Fachunterstützung schätzen. Was hält die Welt zusammen? Und wie reagiert sie im atomaren Bereich? Wie kommen die Elementarteilchen zu ihrer Masse? Ein Steinchen fehlt den Physikern noch, um ihr Weltbild-Mosaik zu vervollständigen: sie nennen es Higgs-Boson. Die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) bei Genf setzt alles daran, dieses Teilchen zu finden. Auch das PSI ist dabei: seine ultraschnellen Pixel-Chips sollen das Higgs aufspüren.

Wer den spannenden FBZ-Ausflug verpasst hat: das Institut kann nach telefonischer Voranmeldung auch von Privatpersonen besichtigt werden. psiforum@psi.ch. Paul Scherrer Institut, 5232 Villigen Tel. 056 310 21 11.

Ausführliche Informationen über die Forschung am PSI auf der Website. Im Jubiläumsjahr 2008 findet am PSI zudem im August 2008 ein Festakt im Auditorium mit Referaten zu „20 Jahre PSI“ mit Bundesrat Pascal Couchepin und Repräsentanten aus Wissenschaft und Politik statt. Am 25./26. Oktober 2008 Tage der offenen Tür, das ganze PSI-Areal wird für die Bevölkerung geöffnet.

FBZ, 16. Mai 2008 Ingrid Isermann

 
Deutscher Fernsehpreis für Heidi Specogna

Die Dokumentarfilmerin Heidi Specogna ist in der Schweiz aufgewachsen und lebt in Berlin. Ihr Dokumentarfilm über den ersten Soldaten, der im Irak-Krieg starb, hat den renommierten deutschen Grimme-Preis in der Kategorie Information gewonnen. Bereits im 2007 erhielt die Schweizer Journalistin den Preis des besten Schweizer Dokumentarfilms.

"Ich habe auf dem Weg nach Norden viele José Antonios kennen gelernt"

Der Grimme-Preis ist der deutsche "Fernseh-Oscar" und wurde dieses Jahr zum 44. Mal für Fernsehleistungen vergeben, „die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind“. Zuletzt erhielt im Jahr 2003 der Schweizer Dokumentarfilm „War Photographer“ von Christian Frei den Grimme Preis, wie Swissfilms mitteilte. „Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez“ erzählt die Geschichte von Antonio Gutierrez. Der als Strassenkind aufgewachsene Guatemalteke war einer von 300'000 Soldaten, die die US-Armee im März 2003 in den Irak-Krieg schickte – und er war der erste tote US-Soldat. Gutierrez war der Einberufung in die US-Armee gefolgt, weil dies mit dem Versprechen der amerikanischen Staatsbürgerschaft verbunden war. Im Gespräch mit Anita Hugi erzählt die Regisseurin Heidi Specogna, wie es möglich war, diesen eindrücklichen und dabei zu keinem Zeitpunkt sentimentalen Dokumentarfilm über ein Strassenkind, das zu einem amerikanischen Helden wurde, zu realisieren.

Anita Hugi: Heidi Specogna, in Ihrem mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm erzählen Sie die Lebensgeschichte eines amerikanischen Soldaten, der gar kein Amerikaner, sondern ein illegal eingewandertes guatemaltekisches Strassenkind ist. Wie kamen Sie auf das Thema?

 
Heidi Specogna: Südamerika ist ein Kontinent, den ich bereits früher durch meine filmische Arbeit gut kennen gelernt hatte. Zu diesem Film gab es zudem drei Vorgängerprojekte, die alle nicht realisiert werden konnten. Das eine Filmprojekt war eines zur Aufarbeitung des guatemaltekischen Bürgerkriegs, das andere Filmprojekt bezog sich auf die Situation der Strassenkinder, und ein drittes Projekt war ein Gruppenprojekt mit anderen Filmern, das die Vorkriegssituation im Irak zum Thema hatte. Alle drei Projekte sind aus Finanzierungsgründen auf der Strecke geblieben.
 Ich hatte recherchiert, die Konzepte gemacht. Als ich dann die Geschichte von José Antonio hörte, hatte ich sofort Bilder vor Augen. Weil ich wusste, was es bedeutet, wenn man ein Waisenkind ist in diesem Land. Ich konnte mir annähernd vorstellen, was es bedeutet, wenn man auf der Strasse lebt. Ich hatte eine Ahnung davon, was ein Irak-Krieg bedeutet, da ich mich mit der Vorkriegssituation im Irak auseinander gesetzt hatte. Es entstand einfach eine Verbindung zwischen Themen, an denen ich in den letzten Jahren intensiv gearbeitet hatte.
 
Anita Hugi: Die Sie persönlich auch immer interessiert haben.
Heidi Specogna: Ja, ich war schon vorher in diesen Ländern unterwegs – ich konnte die Sprache, kannte die Geschichte, hatte ein Basis. Ich konnte dort also relativ schnell mit der Arbeit anfangen, die Beziehungen herstellen. Ich bin nicht mit dem Blick des unwissenden Europäers dahin.
 
Anita Hugi: José Antonio war ein Waisenkind, es gab also wohl wenig offizielle Lebensspuren. Umso beeindruckender ist, wie viele Menschen sie in ihrem Film sprechen lassen können, die José Antonio Gutierrez gekannt haben, sich an ihn erinnerten. Dabei hatten Sie, wie man im Film sieht, am Anfang der Recherche offenbar nur zwei Fotos des gefallenen Soldaten.
Heidi Specogna: Im Prinzip hatten wir am Anfang einfach das Waisenhaus in Guatemala, in dem er – sporadisch – war. Ich hatte das Glück, noch einen Erzieher zu finden, der sich an José Antonio erinnern konnte. Fabian der Sozialarbeiter war der absolut Einzige, den ich also am Anfang der Dreharbeiten hatte. Alle anderen Personen sind erst während dem Dreh gefunden worden. Es war eine journalistische Recherche, wie sie im Buche steht. Da konnte man nichts ‚googeln’. Es ist uns nichts anderes geblieben als hinzugehen, alle diese Orte aufzusuchen, Nachbarn zu befragen, eine Strasse weiter zu gehen, das Gleiche noch mal zu tun. Wir haben Telefonbücher durchtelefoniert. Es war eine riesige, aufwändige Recherche die wir als Hintergrundinformation gebraucht haben.
 
Anita Hugi: Sie haben schon einige Dokumentarfilme gemacht. Was war das besonders Schwierige an diesem Film - ausser der Recherche. Sie sind gross und haben blonde Haare, blaue Augen, sehen nicht gerade aus wie eine Südamerikanerin. Wie haben die Menschen, die teilweise schreckliche Dinge erlebt haben, auf Sie reagiert?
Heidi Specogna: Als Journalistin, die an solchen Themen arbeitet, muss man auch als Mensch dabei sein. Man geht ja nicht dahin und ist nur die Filmemacherin, die nur Material sammeln will. Solche Situationen kann man emotional auch nur tragen, wenn man aufgehoben ist in einem Team. Das war sehr wichtig. Wir haben an allen Drehorten auch viel "Nachbereitung" gemacht - ich weiss nicht, wie man das anders sagen sollte. Zum Beispiel mit dieser Herberge für Zugopfer hat die Co-Autorin bis heute Kontakt. Sie hat Geld gesammelt, Arm- und Beinprothesen gekauft und geschaut, dass ein paar von ihnen in ihre Heimat zurück gehen können. So eine Beziehung hört nicht auf mit dem letzten Drehtag.
 
Anita Hugi: Wie gehen Sie damit um?
Heidi Specogna: Es sind Filme, die in einem hinein wachsen. Mein persönlicher Bezug, an dem ich im Moment noch sehr am arbeiten bin, ist Miguel, der Soldat, der beim Sterben José Antonios dabei war. Miguel, das sieht man auch im Film, ist schwer traumatisiert. Er ist nicht traumatisiert, weil er als Soldat jemanden umgebracht hat, sondern er ist traumatisiert, weil er dabei war, als ein Kamerad von ihm starb.
Miguel hatte seine Geschichte davor noch nie jemandem erzählt. Wir kannten seine Geschichte auch nicht. Es war eine völlig verrückte Interviewsituation. Wir merkten von Anfang an, er ist wie in ein Tunnel hinein gekommen. Er erzählte das alles, und man konnte ihm als Filmteam nur noch den Raum geben, in dem er sich gut aufgehoben fühlen konnte. Er hat den Film bis heute nicht gesehen. Wir haben es ihm viele Male angeboten. Es ist eine grosse Schwierigkeit für ihn. Er ist es so „los geworden“. Um für sich selber einen Schritt weiter zu kommen, müsste er es wieder an sich ran lassen, begegnen. Da kommen Sie als Filmemacherin an ihre Grenzen. Sie sind keine Psychologin. Sie sind auch hilflos. Gleichzeitig haben Sie etwas losgelöst und wollen es mittragen. Die Verantwortung ist da. Miguel ist für mich ein ganz wichtiger Mensch geworden, zu dem ich den Kontakt halten will, für den ich mich, ohne mich aufdrängen zu wollen, auch verantwortlich fühle.
 
Anita Hugi: Wie haben Sie Miguel gefunden?
Heidi Specogna: Es war ein absoluter Zufall. Wir drehten bei José Antonios Pflegefamilie. An diesem Tag kam er zufällig bei dieser Pflegefamilie vorbei. Er hatte sie gesucht, weil er selber mehr Informationen haben wollte zu José. Und er kam genau an dem Tag, an dem wir mit der Familie drehten. Er wollte zuerst nicht mit uns sprechen.
 
Anita Hugi: Miguel ist selbst nicht mehr in der Army?
Heidi Specogna: Nein. Er kam zurück und ist jetzt im Prinzip "ausgemustert". Invalid. Und es gibt auch niemanden, der sich um diese Soldaten kümmert. Sie werden sich selbst überlassen.
 
Anita Hugi: Eine Situation wie bei den Vietnam-Veteranen, von denen laut Studien 50 % psychisch invalid sind. Die Pflegefamilien in Amerika, in denen das ehemalige südamerikanische Strassenkind José als jugendlicher Emigrant lebte, haben eine ambivalente Rolle.
Sogar Hollywood war an der Geschichte von José Antonio interessiert. Wieso hat Hollywood schlussendlich trotzdem sein Leben nicht verfilmt?
 
Heidi Specogna: Am Anfang sah es natürlich nach einer absoluten Heldengeschichte aus: "Ein Latino stirbt für uns Amerikaner." Das klang ein wenig nach Private-Ryan-Geschichte. Hinzu kam der ganze Aspekt mit der Army: José hatte beim Aufnahmegespräch in die Army auch gesagt, dass er Amerika etwas zurück geben wolle. Dann hat sich später herausgestellt, dass er ein illegaler Emigrant ist. Es hat sich heraus gestellt, dass er älter ist, als er der Army gesagt hatte, dass er also gelogen hatte. Nachher kamen plötzlich Drogengeschichten aufs Tapet, aus seiner Kindheit in Guatemala als Strassenkind. So haben sich diese Filmpläne Hollywoods zerschlagen.
 
Anita Hugi: Haben die Filmpläne Hollywoods die Recherchen zu Ihrem Dokumentarfilm irgendwie tangiert?
Heidi Specogna: Blockiert. Ich konnte mit der Pflegefamilie nicht reden. Die durften mit mir nicht sprechen. Wenn Hollywood ein Thema hat, auch wenn es ein Spielfilm ist, wird alles im Umfeld vertraglich gebunden.
 
Anita Hugi: Die Schwester von José Antonio auch?
Heidi Specogna: Ja. Aber ich hatte Glück. Als ich zu drehen begann nach einem Jahr Recherche, hatte Hollywood seine Pläne aufgegeben.
 
Anita Hugi: Was mir auffiel: Sie zeichnen in ihrem Dokumentarfilm eine Art moderne Seidenstrasse nach – entschuldigen Sie den Vergleich – auf dem jedoch nicht Waren zirkulieren, sondern Menschen, von Süden nach Norden. Die Ware sind die Menschen. Sie porträtieren etwa diese vier jungen Frauen und Mütter, die den illegalen Übertritt über die Grenze trainieren. War eine solche Migrantinnengruppen ein Ausnahmefall, oder ist das eine ‚typische’ Situation auf dem Weg von Süden nach Norden?
Heidi Specogna: Genau so ist es. Wir waren allerdings froh, dass von den drei Frauen zwei am gleichen Tag wieder zurück gingen. Sie entschieden, es nicht zu wagen. Wir waren froh, weil wir dachten, allein von der physischen Situation her hätten sie es nicht geschafft.
 
Anita Hugi: Ihr Film ist kein Michael-Moore-Film, sondern überzeugt gerade auch durch die inhaltliche und formale Sorgfalt. Für die Drehbewilligungen mussten Sie mit den Regierungen zusammen arbeiten. War das einfach?
Heidi Specogna: Ich habe natürlich versucht, alles so weit wie möglich im Voraus abzuklären und die Bewililgungen einzuholen. Um etwa in der amerikanischen Grenzwache filmen zu dürfen, mussten wir ein Jahr auf die Bewilligung warten. Im Ausbildungscamp der Soldaten durften wir erst gar nicht filmen. Gleichzeitig habe ich probiert, unterwegs sehr offen zu sein: Das Hospiz für Zugopfer habe ich erst beim Dreh kennen gelernt. Wir drehten über Weihnachten. Am Anfang hiess es zwar, an Weihnachten fahren gar keine Züge: Vergiss es! Der Zug fährt eh nicht.
 
Anita Hugi: Die Migrierenden springen an der Grenze auf fahrende Güterzüge auf.
Heidi Specogna: Ja. Und dann fuhren dort trotz gegenteiliger Information pro Tag zwei Züge. Wir haben vor Ort die Zeit sehr intensiv genutzt, um mit der Zuggesellschaft in Kontakt zu treten und denen zu erzählen, was wir wollen und schauen, dass wir auf diesen Zug gehen und drehen können.
 
Anita Hugi: Haben sie alles mit Bewilligung gemacht?
Heidi Specogna: Ja. Diese Nachtszenen übrigens: Wir standen da und haben keinen Menschen gesehen. Der Zug hatte sich einen Tag lang angekündigt, man hört den Zug kilometerweit anrollen, weil er ja beladen wird. Niemand sagt, der Zug kommt morgen, oder übermorgen um acht. Man wartet und wartet. Und irgendwann ist er angefahren, und nachher war plötzlich alles voller Leute. Sie hatten alle genau wie wir auch auf den Zug gewartet. Nur hatten wir sie nicht gesehen.
 
Anita Hugi: Eine Frage zur Schwester von José Antonio. Ihre Geschichte ist ebenso verrückt wie die von José Antonio. Sie wurde als Mädchen verkauft?
Heidi Specogna: Sie kannte lange nicht einmal ihren richtigen Namen. Sie kannte nur ihren Spitznamen – Cela. Als sie älter wurde, dachte sie, Cela ist wahrscheinlich die Abkürzung von Graciela – sie dachte immer, sie heisse Graciela. Erst durch José Antonio, der seine Schwester gesucht hatte, hat sie erfahren, dass sie Engracia heisst. Sie war in diesem Haushalt, wo sie arbeitete, wie eine Gefangene behandelt worden.
 
Anita Hugi: Man baut durch den Film eine Beziehung auf zu jemandem, der tot ist. Man kann nicht mit ihm sprechen, obwohl man vielleicht das Bedürfnis hätte. Wie erging es Ihnen? Haben sie von José Antonio geträumt?
Heidi Specogna: Ja. Und auch: Ich habe viele José Antonios auf dieser Reise getroffen... Er ist für mich aber schon sehr lebendig geworden durch den Film. Und es war mir auch wichtig, dass er lebendig wird für den Zuschauer. Ich habe als Filmemacherin ein Verantwortungsgefühl dieser Person gegenüber. Als ich den Film am Sundance Festival gezeigt hatte, kam ein Mann auf mich zu, der mir sagte, er habe am Ende des Films das Gefühl gehabt, dass José Antonio auf dem Foto lächle, als wäre er am Schluss trotz allem ein Lächeln auf seinem Gesicht. Das war ein sehr schönes Erlebnis. Es war mir wichtig: dass er bei den Zuschauern ankommt, in seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Und alle Befragten haben sich mit viel Wärme an ihn erinnert, er hat in den Leuten etwas zurück gelassen.
 
Anita Hugi: Wie gehen Sie nun weiter?
Heidi Specogna: Ich versuche immer, wenn ich einen Film beendet habe, eine Bilanz zu ziehen: Wo stehe ich jetzt, nach diesem Film? Welches sind die Fragen, die ich für mich noch nicht beantwortet habe? Im Moment ist es die Erfahrung mit Miguel. Es beschäftigt mich, was in den Menschen ausgelöst werden, die ein Zeugnis annehmen. Wie schlägt sich das nieder? Das ist eine Frage, die mich irgendwann sehr zu beschäftigen begann. Ich begann deshalb eine Recherche beim International Criminal Court. Die Investigatoren dort arbeiten daran, die Anklageschrift für Darfur vorbeireiten. Sie sind im Tschad in den Flüchtlingslagern und nehmen die Zeugenberichte an und machen daraus die Anklage. Wie gehen sie mit diesen Geschichten um? Wie verarbeiten sie das Gehörte?
Der technische Begriff dafür heisst: Secondary Traumatisation. Dass man etwas annimmt - und dann blockiert ist, weil man nicht direkt helfen kann. Das gilt natürlich auch für meinen Beruf, für Journalisten, Filmerinnen, Fotografen. Doch haben wir die Möglichkeit, mit unserer dokumentierenden Arbeit etwas zurück zu geben.
 
Anita Hugi: Sie leben, seit sie 23 Jahre alt sind in Berlin, sind aber in Biel aufgewachsen. In Zürich studierten sie und arbeiteten als freie Journalistin. Was bedeutet ihnen die Schweiz , ihre Heimatstadt Biel?
Heidi Specogna: Ich habe eine sehr starke emotionale Verbindung mit Biel. Die Sprache ist mir sehr wichtig, auch das Französische. Und dann habe ich Familie in Biel, mein Vater und mein Bruder leben dort. Und wenn ich in dieser Gegend bin, merke ich, wie sie mich prägte. Ich war als Jugendliche im Komitee des autonomen Jugendzentrums Biel, dem ersten selbstverwalteten Jugendzentrum der Schweiz. Da habe ich meine ersten politischen Erfahrungen gesammelt. Ich glaube, man greift später im Erwachsenenleben auf diese Erfahrungen zurück. Und diese Erfahrung bleibt bei mir stark mit Biel verbunden.
 
Der Film lief Ende März 2008 im Schweizer Fernsehen, das ihn mitfinanziert hatte, und davor in den Kinos. 
Link zur Website zum Film: http://www.antonio-derfilm.de/
Link zum Trailer und Informationen auf der Website des Grimme-Preises: http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=711
 
Zur Person: Heidi Specogna, 1959 in Biel/Schweiz geboren, studierte zunächst in Zürich und war Mitglied des Büros freier JournalistInnen Presseladen. Nach ihrem Wechsel an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) unterrichtete sie mehrere Jahre an der Berliner Hochschule der Künste. 1990 gründete sie ihre eigene Filmproduktion und drehte Dokumentationen wie „Tania La Guerrillera“ (ZDF 1991), die sich – wie viele ihrer Arbeiten – mit dem Thema Lateinamerika befasst. Für „Deckname: Rosa“ (DRS 1993) erhielt sie den Berner Filmpreis, für „Tupamaros“ (1996) den „Coral Award“ in Havanna. „Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez“ (Arte/ZDF 2007) wurde u. a mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet. Die Filmemacherin lehrt seit 2003 an Film-Hochschulen in Ludwigsburg und am MAZ in Luzern.
ah/FBZ, 15.4. 2008
 
"Die Freischaffenden werden immer wichtiger" 3 Fragen an Michael Haller, Lehrstuhl Journalistik an der Univeristät Leipzig

 Prof. Dr. Michael Haller leitet den Lehrstuhl Journalistik an der Universität Leipzig. Am Institut für Praktische Journalismusforschung, dessen wissenschaftlicher Direktor er ist, verantwortet er das Projekt Qualitätssicherung im Journalismus. Er ist u.a. auch Autor diverser Handbücher zum Journalismus.

FBZ: Ihr Thema ist die Qualitätssicherung im Journalismus. Denn guter Journalismus, so das Credo ihres Instituts, ist ein wichtiger Bestandteil einer effektiv demokratischen Gesellschaft. Was können Technologien wie "Readerscan", welche messen, was LeserInnen als Erstes beachten, zur Qualität im Journalismus beitragen?

Michael Haller: Vor allem im Informationsjournalismus (Tageszeitungen, Nachrichtensendungen usw.) herrscht derzeit eine grosse Verunsicherung in Bezug auf die Nachrichtenwerte und die Vermittlungsformen. Es grassieren die komischsten Vorstellungen (etwa: alles muss kürzer werden, noch mehr Softnews und Promi-Geschichten usw.). Instrumente wie „Readerscan“ zeigen die tatsächliche Medienrezeption - und räumen mit manchen Irrtümern auf. Allerdings müssen solche Instrumente mit Sachverstand eingesetzt werden. Kopflose Quotenjäger können natürlich jedes Angebot mit "Sex and Crime" hochjazzen, um kurzfristig höhere Nutzungen zu bekommen. Aber langfristig würde damit die Glaubwürdigkeit beschädigt.

FBZ: Freie Journalistinnen und Journalisten leisten einen wichtigen Teil zur Medienvielfalt. Welche Rolle und Aufgabe sehen Sie für die freischaffenden Journalisten heute, und wird diese von den Chefredaktionen und Verlagshäusern Ihrer Ansicht nach erkannt und gefördert?

Michael Haller: Die Freien werden immer wichtiger - auch, weil in den Redaktionen vermehrt Gewicht auf Textmanagement und Textdesign gelegt wird und die Fachkompetenz zurückgeht. Zudem haben in kleinen Medienhäusern die Redaktionsmitglieder kaum mehr die Möglichkeit, einen originelleren Ansatz zu wählen und Themen mal aus einer anderen Perspektive anzugehen. Leider aber wird die Arbeit der Freien von den Redaktionen nicht hinreichend gewürdigt und nicht ausreichend entschädigt. Auch kommt es immer wieder zu haarsträubenden Urheberrechtsverletzungen gegenüber Freien, indem auch die inhaltliche Aussage ihrer Beiträge ohne Rücksprache verändert wird und a. m. Der harte Konkurrenzkampf um Aufträge mindert die Solidarität und macht viele Freie leider erpressbar.

FBZ: Warum sind Sie selbst nicht mehr Journalist?

Michael Haller: Nach 30 Jahren Praxis wollte ich über das, was Journalismus in und mit der Gesellschaft macht, was er sein könnte oder sollte, ausgiebiger nachdenken. Und mich um die Grundlagen der Journalistenausbildung kümmern. Doch hin und wieder juckt es mich noch immer, wenn ich unterwegs bin und ein spannendes Thema sehe. Aber man kann ja nicht alles machen.

Zur Person. Prof. Dr. Michael Haller leitet den Lehrstuhl Journalistik an der Universität Leipzig. Am Institut für Praktische Journalismusforschung, dessen wissenschaftlicher Direktor er ist, verantwortet er das Projekt Qualitätssicherung im Journalismus. Haller ist ausserdem Herausgeber der Internationalen Journalismus-Fachzeitschrift „MESSAGE“. Er hat mehrere Journalismus-Handbücher verfasst und unterrichtet als Gastdozent auch am MAZ Luzern.

3 Fragen an: Michael Haller. FBZ / Ingrid Isermann, Anita Hugi, 18. Juni 2007 / 1.1.2008

 
Wer sind die FBZ?
Die Freien Berufsjournalistinnen und –journalisten Zürich FBZ wurden vor mehr als 40 Jahren unter anderem vom immer noch aktiven FBZ-Vorstandsmitglied Marie-Thérèse Larcher gegründet. Die FBZ sind ein kleiner, aber engagierter Verein der grössten JournalistInnenvereinigung der Schweiz impressum und mit dem Zürcher Presseverein assoziiert. Die FBZ liefern freischaffenden und festangestellten JournalistInnen praktische Informationen rund um die Ausübung ihres Berufs oder ihrer Berufung, organisieren Veranstaltungen, u.a. ein monatliches JournalistInnentreffen, regen die informelle Vernetzung und den Erfahrungsaustausch unter freien und festangestellten JournalistInnen an, vertreten den Stand der freien Journalistinnen und Autoren, kritisieren die massive Unterbezahlung der vielen freischaffenden JournalistInnen durch die Verlage und ihre Verleger. 
Die Mitgliedschaft bei der FBZ kostet CHF 60 im Jahr und steht Personen und auch Institutionen offen, die Mitgliedschaft bei impressum/zpv inklusive Rechtsschutz von impressum kostet interessierte JournalistInnen zur Zeit CHF 440/Jahr. Neue Mitglieder, auch im Vorstand der FBZ, sind jederzeit willkommen. fbz@journalists.ch.
 
Pipilotti Rists Stadtlounge, Roman Signers Weltenscheibe, jahrtausendealte Bücher
 
Die jährliche Reinigung des roten Kunststoffbelags der Stadtlounge von Pipilotti Rist kostet die Stadt St. Gallen die hübsche kleine Summe von Fr. 100 000.-, aber der Spass, hier lustzuwandeln und abzusitzen, ist den kulturbeflissenen St. Gallern sichtlich allemal so viel wert. Der Bericht zum Jahresauflug 2007 der FBZ:
Entdeckungsfreudige FBZlerInnen versammelten sich am 30. August frühmorgens im Hauptbahnhof Zürich - und los ging’s nach St. Gallen. Erstklassig mit Kaffee und Gipfeli gestärkt, erwartete uns dort Lisa Lichtensteiger, die uns in die geschichtliche Eigenheit und Schönheit der regennassen Stadt St. Gallen entführte, vorbei an mittelalterlichen prächtigen Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert zur roten Stadtlounge von Pipilotti Rist. Die jährliche Reinigung des roten Kunststoffbelags der Stadtlounge von Pipilotti Rist kostet die Stadt St. Gallen die hübsche kleine Summe von Fr. 100 000.-, aber der Spass, hier lustzuwandeln und abzusitzen, ist den kulturbeflissenen St. Gallern sichtlich allemal so viel wert. Ketzerische Frage: wäre das auch in Zürich möglich, trotz ständigen Lamentierens einer sogenannten Volkspartei wegen Verschwendung von Steuergeldern?  

 

Zentrum der deutschen Sprache
Die grösste Stadt der Ostschweiz wurde im Jahre 612 gegründet, als sich der irische Mönch Gallus hier niederliess. 747 wurde die Benediktinerabtei gegründet, im 9. Jahrhundert kam eine Bibliothek hinzu, durch ihre Schule und Bibliothek wurde die Abtei einer der kulturellen Brennpunkte des Abendlandes diesseits der Alpen. Ihre schöpferischen Mönche und Buchmaler wie Wolfcoz, Folchart und Sintram, Dichter und Musiker wie Ratpert, Tuotilo, Notker der Stammler und die Ekkeharte, wie auch Notker Labeo als Meister der althochdeutschen Schriftsprache, gingen in die europäische Kulturgeschichte ein. Antike, Alemannentum und Christentum fanden sich in den sanktgallischen Manuskripten zur Synthese.
Mittelpunkt der Stadt ist die barocke Kathedrale und der Klosterbezirk von 1766. Die Abtei, ihre Kunstwerke und Stiftsbibliothek gehören seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. Im Gegensatz zum Grossteil der Abtei entging die einzigartige Stiftsbibliothek der Zerstörungswut der Reformation, sie dient heute als wissenschaftliche Studien- und Leihbibliothek. Der Holzboden des Barocksaals weist kunstvolle Intarsien auf, die Decke Stuckaturen sowie Trompe-l’oeil-Malerei. Die Deckengemälde stellen die vier ersten ökumenischen Konzilien dar: Nicäa (325), Konstantinopel (381), Ephesus (431) und Chalkedon (451). Die Bibliothek beherbergt mehr als 150 000 Bücher und Manuskripte, darunter eine Sammlung irischer Schriften aus dem 8. bis 11. Jahrhundert sowie sehr seltene Landkarten - die frühen Landkarten interessierten sich zudem noch nicht für Grenzen, sondern für (Lebens- ) Inhalte - und Arbeiten aus dem 8. Jahrhundert. Neben jährlich wechselnden Ausstellungen von Schriften sind zudem permanent ausgestellt der karolingische Klosterplan, um 819/830, eine Mumie aus Oberägypten, um 650-610 v.Chr., mit doppeltem Sarg aus Sykomoren- und Tamariskenholz, seit 1820 in der Stiftsbibliothek und 1836 für 440 Gulden in den Besitz der Bibliothek übergegangen. Thomas Hürlimann schildert in seinem Buch „Fräulein Stark“ (Ammann-Verlag, Zürich 2001) u.a. anschaulich die Auswirkungen der Bibliothek-Besucherinnen auf einen pubertierenden Jüngling...
Wem gehört der Globus?
Im Mittelalter war St. Gallen zudem ein wichtiger Leinenproduzent und exportierte nach ganz Europa. Im 19. Jh. lebte die Stadt überwiegend von der weltberühmten St. Galler Stickerei, heute haben internationale Modelabels wie Akris diese Tradition abgelöst. Den Kulturgüterstreit von 1712, als die Zürcher im Anschluss an den Toggenburgerkrieg Kulturgüter abzügelten und nie mehr zurückgaben, haben St. Gallen und Zürich nun mehr oder weniger friedlich beigelegt (siehe TA v. 16.01.2007), doch ein Wermutstropfen bleibt, weil der 400-jährige Original-Globus nun doch im Landesmuseum Zürich bleibt, wogegen die Stiftsbibliothek eine Kopie des Erd- und Himmelglobus erhalten wird. Diese ist jedoch nicht so einfach anzufertigen und es wird noch eine Weile dauern, bis die Globuskopie in der Stiftsbibliothek zu bewundern sein wird (siehe auch TA v. 11.07.2007). Denn um die Farben des historischen Globus zu kopieren, braucht es Röntgenstrahlen, ein gutes Auge, historisches Wissen, Chemie und Bioeier von Landhühnern.
Dermassen eingedeckt mit historisch Wissenswertem, statteten wir dem traditionsreichen Restaurant Bäumli an der Schmiedgasse gerne einen Besuch ab, und wurden nicht enttäuscht, nicht wenige meinten, sie hätten schon lange nicht mehr so gut und auch günstig gegessen. Empfehlenswert!
Trotz anhaltenden Regenwetters machte sich die muntere Truppe gestärkt auf den Weg via Herisau nach Appenzell, als Kluge natürlich im Zuge (die FBZ danken den SBB und den Appenzeller Bahnen nochmals herzlich für ihre Unterstützung), nach anschliessender Wanderung durch das pittoreske Dorf mit weiblicher Führung direkt zur Drehscheibe von Roman Signer, auf dem stehend sich die Welt einmal um den eigenen Nabel drehte. Der Künstler hat sich mit höchst explosiven Stoffen international einen Namen geschaffen. Die drehende Scheibe hat er gleich gegenüber seinem Elternhaus in den Beton eingelassen.
 
Zum Alpenbitter waren es nur noch ein paar Schritte zur Betriebsbesichtigung der Appenzeller Spezialität mit den 42 Kräutern drin und 29 Prozent Geist! Wir sahen die riesigen Metallbehälter, in denen die Kräuter fermentiert und mit dem Alkohol gemixt werden, und dachten, eigentlich wäre die Firma und ihre Gärtanks auch ein nicht uninteressanter Schauplatz für den nächsten 007 James Bond-Film unter der Regie des Schweizers Marc Forster. Ein Film klärte uns auf, dass die meisten Kräuter, gesammelt in grossen Holzbottichen, gar nicht aus der Schweiz stammen, die ist dafür auch zu klein, sondern vor allem aus Frankreich, der Provence, und Übersee, also eine echt internationale Appenzeller-Spezialität. Und wie angenehm diese Kräuter dufteten, Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano und wie sie alle heissen, die Mischung macht’s und die ist geheim!
So geheim, dass niemand ausser zwei Eingeweihten das Rezept kenne- und sollte diesen Geheimnisträgern etwas zustossen, so ist das wertvolle Geheimrezept notariell beglaubigt extern in einem Tresor aufbewahrt. Denn das ist bare Münze wert! Bei der anschliessenden Degustation konnte der Alpenbitter getestet werden, die Kräuter sind gesund und die schmeckt man auch heraus… Und siehe da, auf dem Weg zum Bahnhof glänzte das Dorf (Appenzeller sagen nicht City, sondern Dorf) in milder Abendsonne und als wir im Zuge wie im Fluge heimkehrten, grüsste uns die wunderschöne Appenzeller Landschaft mit ihren grünen Hügeln und Tälern und den speziellen Appenzeller Häusern auf den Höhenzügen.

Ingrid Isermann, 13. September 2007

 
Kulturpolitik in der Schweiz - quantité négligeable?
An der Generalversammlung der Pro Litteris am 1. September 2007 im Kongresshaus Zürich
kam das verbesserungswürdige Kulturförderungsgesetz und Pro Helvetia-Gesetz in einem
Votum von Peter A. Schmid zur Sprache.  Peter A. Schmid war bis März 2007 Geschäfstführer der AdS und als solcher  Vorstandmitglied von Pro Litteris. 
 
„Wer in der Schweiz Kulturpolitik betreibt, braucht einen langen Atem und vor allem ein gerüttelt Mass an Frustrationstoleranz. Neun Jahre nach in Kraft treten der neuen Bundesverfassung und sieben Jahre nach den ersten Entwürfen einer Steuergruppe hat der Bundesrat diesen Frühsommer ein Kulturförderungsgesetz und ein revidiertes Pro Helvetia- Gesetz dem Parlament zur Beratung vorgeschlagen.
Das Unvorstellbare ist dabei eingetreten: das nun vorgeschlagene Kulturförderungsgesetz ist noch schlechter als der Vernehmlassungsentwurf von 2005 und deutlich schlechter als die ersten Entwürfe der Steuergruppe, die wir damals schon sehr kritisch kommentiert haben.
 
Grosse Würfe, Visionen oder auch neu ein mutiges Bekenntnis zu einer nationalen Kulturförderung sucht man vergebens. Stattdessen findet man ein schematisches, seelenloses Verwaltungsgesetz, welches nicht einmal die möglichen Spielräume des Bundes zur Kulturförderung auslotet und absteckt. Schlimmer noch: der Bund bzw. Pro Helvetia soll sich mit Ausnahme der Filmförderung aus der Werkförderung zurückziehen und keine Werkbeiträge mehr ausrichten. Die Argumente für diesen Rückzug sind geprägt von einem fehlenden oder zumindest schiefen Kulturverständnis und von vorauseilender Selbstbeschneidung des Bundes unter dem Stichwort der Subsidiarität. Pro Helvetia soll neu nur mehr die Verwertung und Verbreitung fördern, als ob man bei einem Buch oder Hörspiel strikt zwischen dem Werk und der Verwertung bzw. Verbreitung unterscheiden könnte.
 
Im neuen Kulturförderungsgesetz werden die wichtigsten Forderungen der Kulturschaffenden und deren Berufsorganisationen nicht aufgenommen, obwohl diese Verbände Jahre lang darauf hingewiesen haben und auch in den Vernehmlassungsantworten diese Verbesserungen gefordert haben. Es handelt sich vor allem um die Fragen der sozialen Sicherheit und der beruflichen Vorsorge von Kulturschaffenden, die überhaupt nicht angegangen worden sind. Daneben fällt vor allem auch auf, dass die Kulturschaffenden und ihre Organisationen überhaupt nicht in den Prozess der Ausgestaltung der zukünftigen Kulturpolitik einbezogen werden sollen. Bei den Förderkonzepten und den Schwerpunktprogrammen werden also die davon Betroffenen nicht einbezogen, ja nicht einmal systematisch angehört. Die Kulturorganisationen erhalten kein Anhörungsrecht und es ist nicht einmal ein nationales, unabhängiges Kulturgremium vorgesehen, das den Bundesrat und das Bundesamt für Kultur bei der zukünftigen Ausgestaltung der Kultur beraten könnte.
 
Wie vernachlässigbar die Kulturschaffenden und ihre Organisationen auf nationaler Ebene offenbar sind, hat die Bundesverwaltung erst jüngst bei den Revisionsvorschlägen zur Mehrwertsteuer deutlich bezeugt. Obwohl die Vorschläge sehr grosse Auswirkungen auf die Kultur und die Kulturschaffenden hätten (wie im Bericht zur Mwst festgehalten wird), wurden die kulturellen Organisationen bei der Vernehmlassung schlicht nicht berücksichtigt. Dies ist besonders für die Autorinnen und Autoren stossend, hat doch der Bundesrat (Frau Leuthard) bei der Aufhebung der Buchpreisbindung auf den reduzierten Mehrwertsteuersatz bei Büchern als indirekte Buchförderung hingewiesen. In den neuen Vorschlägen möchte der Bundesrat (Herr Merz) aber gerade diese Reduktion aufheben. Das zeigt deutlich: Kulturpolitisches Verständnis ist in Bern nicht wirklich breit gestreut und Kulturpolitik scheint ein eher unwichtiges Thema zu sein. Es ist zu hoffen, dass das Bundesamt für Kultur, welches sich ja nach dem neuen Gesetz als Fachstelle für Kulturfragen verstehen will, im Rahmen seiner Möglichkeit bei Mwst-Reform für die Interessen der Kulturschaffenden eintritt und sich gegen die Besteuerung der Subventionen und gegen eine Kürzung des Vorsteuerabzuges bei Erhalt von Subventionen wehrt.
 
Angesichts der vielfältigen Lücken und der uninspirierten Aufgabenteilung fragt sich, ob es sich überhaupt lohnt, die vorgelegten Gesetze zu verbessern. Sollten wir nicht vielmehr hoffen, dass das Parlament die Gesetzesvorschläge zurück an den Bundesrat schickt? Verloren wäre damit wohl nicht viel. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass das Parlament nicht auf die Gesetze eintritt. In diesem Fall werden sich die kulturellen Organisationen, allen voran Suisseculture, dafür einsetzen, dass im Parlament die wichtigsten Forderungen der Kulturschaffenden noch aufgenommen werden. Es sind dies vor allem:
 
  1. Die Verbesserung der sozialen Sicherheit von Kulturschaffenden.
  2. Der konsequente Einbezug der Kulturschaffenden und ihrer Organisationen bei der Ausgestaltung der konkreten Kultur- und Förderpolitik und das Anhörungsrecht für kulturelle Organisationen bei wichtigen Gesetzeserlassen, die auch die Kultur betreffen (Kulturverträglichkeitsprüfung).
  3. Die Beibehaltung der Werkförderung auf nationaler Ebene.
  4. Die Sicherung der grösstmöglichen Autonomie der Pro Helvetia gegenüber dem Bundesamt für Kultur.
  5. Die repräsentative Zusammensetzung der Fachgremien und des Stiftungsrates von Pro Helvetia.
  6. Die aktive Sicherung der Kunstfreiheit in der Schweiz (Art. 21 BV) durch eine vorausschauende und zeitgemässe Kulturförderungspolitik.
  7. Die Einführung des Folgerechtes und der Bibliothekstantiemen im Rahmen des Kulturförderungsgesetzes.
 
In Bern finden sich einige sachkundige Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die diese Forderungen der Kulturschaffenden unterstützen. Doch leider sind sie nicht in der Mehrheit. Die kulturellen Organisationen sind daher darauf angewiesen, dass die politisch vernünftigen und zugänglichen Kräfte von diesen Forderungen überzeugt werden können. Gerade in dieser Hinsicht sind Kulturschaffende gefordert, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Verbesserung dieser Gesetze einzusetzen. Wenn wir bessere Gesetze wollen, dann müssen wir uns jetzt gemeinsam und entschlossen dafür einsetzen, dass diese technokratischen Entwürfe kultureller werden.“
 
Diesem entschlossenen Votum möchte journalists.ch Nachdruck verliehen, sodass weitere Medien das Thema Kulturförderungsgesetz aufgreifen und so ihren Teil zu einem besseren Gelingen beitragen.
 
FBZ, 03. September 2007, is. 
 
Pippilottis Porsche, jahrhundertealte Landkarten, exzellentes Essen, Frauenfokus in Appenzell und Alpenbitter

 

Passend zum Sommer 2007 fand auch der traditionelle Jahresausflug der FBZ im Regen statt. Freie JournalistInnen sind aber hart im nehmen - und liessen sich den Tag nicht verderben. Impressionen vom FBZ-Jahresauflug. Hier der Einlauf in die rote Stadtlounge von Pippilotti Rist.

  Klick! Cheese! Danke.

 

 Ingrid Isermann mit Pippilotti Rists Porsche.

 Lounge mit FBZ-Geschäfsführerin Claudia Carl und Incognita.   

 Kommt, liebe JournalistInnen - die FBZ bietet nicht nur Vergünstigungen, sondern auch Austausch und Vernetzung unter Kolleginnen und Kollegen. Der nächste Stamm findet am 20. September statt. Alle JournalistInnen sind herzlich eingeladen.

Neunzehn Personen nahmen am diesjährigen Jahresauflug - trotz Regen - teil. Ein ausführlicherer Bericht zum Jahresausflug am 30. September folgt, für alle die, die nicht dabei waren. Der Restaustaurant-Tipp in St. Gallen aber für alle Hungrigen schon hier und jetzt: Restaurant Bäumli. So fein haben Zürcherinnen und Zürcher vielleicht schon lange nicht mehr gegessen, und sicherlich nicht zu solchen Preisen. 31. August 2007, FBZ