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Freie in der Krise  Druckversion
Keine Zeit zum Jammern
Die Krise kann die Chance der Freien sein. Betriebswirtschaftlich gesprochen: In Krisenzeiten werden Fixkosten in variable Kosten umgewandelt. Die Verlage bauen fest Angestellte ab und sind handkehrum wieder auf Freie angewiesen, die ihre besonderen Bedürfnisse abdecken. Ohnehin brauchen sie Freie, nachdem sie ihren Stamm von Mitarbeitenden ausgedünnt haben, wenn die Konjunktur tatsächlich anziehen sollte.
Kollegen berichten uns aus Redaktionen, dass es dort heisst: Wir suchen einen Freien – oder eine Freie, und: gibt es denn keine Freie, die dies oder jenes machen kann? Die Redaktoren / Redaktorinnen kennen oft die Freien nicht, und umgekehrt ist das genauso.
Die Freien haben keine Zeit zu jammern. Zwar sind ihre allfällig bestehenden Lohnfixa und festen Aufträge keineswegs gesichert. Qualitäten aber sind gefragt. Bedingung ist, dass sich die Freien - wie alle in der Krise - auf ihre Stärken besinnen, flexibel sind und professionell arbeiten und dass sie sich neue Stärken zulegen: Spezielle Sachkenntnisse, eine Trüffelschweinnase für Themen, Perfektionierung in Stil und Textdramaturgie, und nicht zuletzt: Die Krise ist auch die Zeit der Weiterbildung und die Zeit für Vernetzung und der Kontakte. Der Stammtisch kann zum nächsten Engagement führen.
Hin- und herpendelnd zwischen der Kategorie der Unselbständigerwerbenden und Selbständigen müssen die Freien in einem flüssiger gewordenen Markt ihr unternehmerisches Profil ausbauen und mehr denn je selber aktiv werden. Um sich im Medienmarkt bemerkbar zu machen und einen Namen zu schaffen, braucht es ein klares Profil und klare Spezialitäten. Lieber eine präzise Beschränkung statt einer diffusen Ausdehnung der eigenen Tätigkeit. Und dann ein entsprechend klares Auftreten gegenüber den Redaktionen. Test: Formuliere deine Spezialität für deine Visitenkarte.
Auch in schwierigen Zeiten haben die Freien Möglichkeiten, den Preis ihrer Arbeitskraft zu erhöhen. Die Freien können vermehrt Arbeit bei öffentlichen Institutionen und in der Privatwirtschaft suchen, deren Kommunikationsbedarf in der Krise steigt: Freie könne sollen bestimmte, ethisch unproblematische PR-Aufträge akquirieren, etwa Textarbeit für Verbands- und Firmenpublikationen – diese allerdings muss klar von der journalistischen Arbeit getrennt sein. So wird das Angebot von qualifizierten Freien im Medienmarkt verknappt.
Die grösste Spezialität von Freien sollte sein: die Bedürfnisse ihrer Kundschaft zu erkennen.
 

FBZ-Vorstand, Januar 2006