Journalistenverzeichnis:
 
   
 
 
 
Wie verkaufe ich meine Artikel?  Druckversion
Freie und Redaktionen: die ideale Partnerschaft
 
1) Bei der Kundschaft und ihren Bedürfnissen beginnen alle Überlegungen.
Nicht von der eigenen Selbstbefriedigung ausgehen.
Variante: Selbstverwirklichung kombinieren mit Kundennutzen und Aktualität.
 
2) Welche Geschichte muss diese Redaktion interessieren?
Weder die Redaktion noch die Lesenden wollen Nebensachen.
Variante: Delikatessen anbieten, die die Redaktion aus eigenen Kräften nicht erarbeiten kann.
 
3) Wer könnte den Artikel kaufen?
Eine Zeitung, mit entsprechenden Gefässen/Ressorts.
Der Ressortleiter, die Ressortleiterin. Nicht die Chefredaktorin.
Kollegenklatsch ist Arbeit: Konzeptionelle und personelle Veränderungen in Redaktionen verfolgen.
 
4) Anrecherchieren
Vorbereitung: höchstens einen halben Tag
Sich mit etwas Sachkenntnis (und Namen von Expertinnen) gegenüber der Redaktion zum «Fachmann» oder zur «Fachfrau» legitimieren. Literatur beschaffen.
 
5) Wie anbieten?
a) Mit der Redaktion schon gearbeitet: mündlich genügt, evtl. schriftlich nachfassen mit Konzept (Telefongespräche nicht im Pyjama führen).
b) Bei neuer Redaktion: unbedingt schriftlich, mit Kurzkonzept.
(Kurzkonzepte sind kurz und spiegeln schon im Stil den geplanten Artikel.)
- Variante: Faxrundschreiben
- Ein einziges Thema anbieten bei präziser Aktualität, mehrere Themen bei Feuilletonstoff
 
6) Dialog mit der Redaktion
Thema mit der Redaktion besprechen, sie miteinbeziehen.
 
7) Umsetzung vorbereiten
- Herausfinden, welche Personen beim Thema behilflich sein können
- Form überlegen und grobe Dramaturgie (Bericht, Interview)
- Bildidee ausdenken!
- «Themenklau»: gibt es zumindest bei den «Grossen» kaum.
Und einen Schutz davor auch nicht. Statt sich zu ärgern: andere Themen ausdenken.
 
8) Auftragsbedingungen mit der Redaktion besprechen
Umfang, Darstellung, Illustrationen, Termine, Zeitaufwand/Honorar, Art der Übermittlung usw. Unabdingbare Voraussetzung: Tagesaufwandkalkulation.
 
9) Honorar
Varianten zum Honoraransatz:
a) «Ihre üblichen Ansätze» (wer den Auftrag unbedingt will)
b) «BR-gemässe Ansätze» - auch bei gekündigtem GAV hilft ein Blick ins GAV-Regulativ, siehe www.journalists.ch, GAV. Der GAV ist auch erhältlich bei den FBZ oder, GAV. Der GAV ist auch erhältlich bei den FBZ oder Impressum – Die Schweizer Journalistinnen, Fribourg, Tel.: 026 347 15 00.
c) Tage und Ansätze selber vorschlagen (wenn irgend möglich)

Faustregel:
Bei grossen Zeitungen muss nicht unbedingt der Preis vereinbart werden, sondern nur der Tagesaufwand.

Unterbezahlung:
Wer es sich leisten kann, meidet die Redaktion eine Zeitlang (Honorare werden steigen).
Von der Redaktion/dem Ressort im Kollegenkreis erzählen (Kollegenklatsch).

Bestätigung
Bei neuer Kundschaft schriftlich und detailliert.

Vorgaben und Abmachungen (Termine, Textlänge) sklavisch genau einhalten.
Wenn sich Änderungen ergeben, sofort die Auftraggeberin informieren.

Ist der Auftrag übermittelt: nachfragen, ob alles gut angekommen sei und dem Auftrag entspreche.
Die FBZ bieten eine Muster-Rechnung.
Rechnung schreiben und in der Debitorenkontrolle eintragen.
 
10) Langfristig: Eigenwerbung betreiben
Lieblingsredaktionen entgegenkommen: z.B. durch zeitliche Verfügbarkeit. Oder: eine Extraleistung.
Oder: hin und wieder Information/Thementipp verschenken.
Redaktorin/Redaktor zum Essen einladen.
Bei der Redaktion vorbeischauen.
Kein Streit um Kleinigkeiten.
 
11) Das Wichtigste: eigene Marketingstrategie
Sich ein Profil schaffen. Eigenartig werden:
Eigene Stärken erkennen und selber fördern.
Eigene Spezialitäten formulieren.
Für eigene Spezialitäten werben (z. B. «Sie oder er weiss alles über Blumen» oder «Schreibt witzig» oder «Kennt jedermann in der Stadt»).
Konjunkturtipp:
Monokultur garantiert Krisen (Beispiel: Kuba und der Zucker!)
Darum lieber mehrere Fachgebiete/Stärken erarbeiten.
 
12) Auf die eigenen Urheberrechte bestehen
Siehe Merkblatt FBZ oder www.journalists.ch

Freie Berufsjournalistinnen und –journalisten Zürich, Januar 2006